Urban Citizenship

DIE HAMBURG URBAN CITIZENSHIP CARD Wer gehört zur Stadt? Eigentlich keine schwierige Frage. Alle, die da sind – lautet die Antwort. Doch der Backlash nach dem „Willkommenssommer“ 2015 hat jene reaktionären Kräfte befördert, die Grenzen ziehen und verstärken wollen. AfD, Pegida und anderen ist es sogar gelungen, den Diskurs über Zugehörigkeit und Grenzen in den etablierten Parteien zu verschärfen. Dabei werden die Ursachen für Flucht und Migration ausgeblendet. Dass Menschen aus Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika fliehen, ist gerade auch eine Folge der neokolonialen Politik des Globalen Nordens. Sie prekarisiert weite Teile der Gesellschaften im Globalen Süden und hält aus eigennützigen Interessen militärische Konflikte dort am Köcheln. In immer mehr Städten regt sich allerdings Widerstand. Vor allem in Nordamerika erklären sich manche Metropolen zu Zufluchtsstädten, „Sanctuary Cities“, andere zu „Solidarity Cities“, die Abschiebungen verweigern. Die noch weitergehen und Papierlosen eine echte Teilhabe an der Stadt ermöglichen wollen. Einige US-Städte haben diesen Gedanken in eine Form gebracht: Sie geben Urban Citizenship Cards heraus, auch „Municipal IDs“ genannt, die allen in der Stadt, ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus, eine rechtlich verbindliche Stadtzugehörigkeit verschaffen. Die Karte funktioniert nach dem Solidarprinzip: Wenn sich alle Bewohner*innen sie holen, auch solche mit dem „richtigen“ Pass, ist sie irgendwann kein Ausweis zweiter Klasse, sondern ein Ausweis, der niemanden diskriminiert. Nicht die nationale Identität zählt, sondern die Zugehörigkeit zur Stadt. Das Hamburger Netzwerk Recht auf Stadt hat diese Idee im Vorwege des G20-Gipfels – dessen Repräsentant*innen für die oben genannte neokoloniale Politik stehen – aufgegriffen. In der G20-Woche begann es, im Arrivati Park den Prototyp einer „Hamburg Urban Citizenship Card“ herauszugeben. Das Netzwerk will damit eine Debatte anstoßen, in der die Stadtzugehörigkeit neu gedacht wird, jenseits des Nationalstaates, und deren Ende im Idealfall eine solidarische Stadt Hamburg steht, die alle hier Lebenden mit einer Urban Citizenship Card anerkennt. Wer diese Idee einer „Free and Solidarity City Hamburg“ unterstützen möchte, sollte sich auf der Millerntor Gallery seine Karte holen.

http://urban-citizenship-hamburg.rechtaufstadt.net/