Manifest

von tropfen und regenbögen.

In unserer Welt haben alle Farben Recht. In unserer Welt sind alle Farben echt. Wir bilden uns auf Farben nichts ein, wir interpretieren nichts hinein und schon gar nicht bewerten wir sie. Unsere Farben haben keine Hierarchien, sie beurteilen sich nicht nach ihrem Aussehen oder ihrer Herkunft – alle Farben sind schön!

Und sie sind überall willkommen. Mit Glitzer und Konfetti feiern sie das Leben und die Solidarische Farbraumnahme. Beim gemeinsamen Tanzen zu lauter Musik durch die Wellen der Sonne bis zum Tiefenrausch der Nacht, ergeben sie gemeinsam ein leuchtendes Farbspiel. In unserer Welt dürfen alle Farben reisen wohin sie wollen und die Schönheit der anderen Farben erleben, sich mit ihnen mischen, denn es gibt weder Grenzen noch Hürden.

Wir betrachten uns als Tropfen, die das Licht der Sonne reflektieren. Wir schenken unseren Betrachtern Farbe ohne selbst ein Objekt von Farbe zu sein. Dafür lieben sie uns. Wir werden dadurch weder wichtiger noch richtiger als die anderen Teile des Systems, aber wir fühlen uns einfach wichtig und richtig. Davon wird die Welt nicht schlecht.

Wenn wir als Tropfen zusammen sind, geht einiges. Als Flüsse sind wir die Pinsel der Natur – wir ziehen scheinbar willkürliche Linien in die Landschaft – wir wenden nur wie es uns treibt und die Natur es uns erlaubt – so ähnelt unsere vermeintlich willkürliche Zeichnung am Ende doch stark einer komplexen Schallwelle, die ein nicht hörbares, jedoch fühlbares visualisiertes Vogelzwitschern sein könnte. Ein Fluss kann theoretisch jede Klangfarbe zeichnen. Der Anblick einer Flusslandschaft aus der Vogelperspektive fühlt sich an wie eine Sinfonie, die mit Liebe geschrieben wurde. Wir reiben uns an der Welt wie ein Bogen an der Saite einer Geige. Wir machen Musik. Wir müssen tanzen.

Als Ozean halten wir die Welt in Bewegung. Wir halten jeden Organismus und das Leben an sich geschmeidig. Als Regen liefern wir, was wir können. Am liebsten aber sind wir in der Luft. Als Wolke feiern wir, bis uns die Luft ausgeht. Da oben haben wir Platz zum Tanzen. Weniger Reibung – mehr Licht. Wir geben uns Raum, um die Farben zu sehen, die jeder einzelne Tropfen durch seine Reflexion produziert. Wir erfreuen uns an der Schönheit des Anderen mehr als an der eigenen. Wir können unsere eigenen Farben gar nicht sehen – sie sind für die anderen da.

Es gibt Momente, da läuft es – wenn das Kollektiv der Tropfen im gemeinsamen Flow ist und jeder sich nach dem Licht seines Nächsten ausrichtet, erschaffen wir etwas Großes und werden dabei als Regenbogen sichtbar. Für uns ist es vielleicht nur ein gutes Gefühl – „Wir tun das Richtige und Wichtige“ – und es macht unser Miteinander zu einem Genuss. Sind wir als Tropfen mittendrin, dann sehen wir den Regenbogen an sich gar nicht, sind wir doch Teil und nicht Betrachter dessen. Wir wissen aber, dass wir an einem ganz bestimmten Ort in der Ferne für andere als etwas Einzigartiges und atemberaubend Schönes sichtbar werden. Der Anblick eines Regenbogens mit dem Wissen, dass man als Tropfen selbst in der Lage ist, Teil eines Regenbogens zu sein, inspiriert und beflügelt – und alles, was du dafür tun musst, ist als Tropfen dabei zu sein.